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OKCoin nimmt Bitcoin Cash (BCH) und Bitcoin SV (BSV) vom Handel

Irgendwann kann man die Stimme des Marktes nicht mehr überhören. Die chinesische Börse OKCoin blieb für eine lange Zeit sehr offen für Bitcoin-Forks wie Bitcoin Cash (BCH) und Bitcoin SV (BSV). Nun aber macht sie eine Wendung und delistet die beiden Forkcoins.

Wie viele Börsen muss OKCoin, eine der traditionellsten Bitcoin-Börsen aus China, nicht nur entscheiden, welche Coins neu auf den Markt kommen – sondern auch welche vom Markt entfernt werden. Mittlerweile gibt es einfach so viele Altcoins, dass bei einer hinreichend großen Menge an gehandelten Assets auch mal eine Niete dabei ist, die man lieber nicht mehr anbietet.

Daher führt OKCoin, erklärt ein Post von CEO Hong Fang, „regelmäßig Reviews der digitalen Asseta auf unserer Plattform durch, um sicherzustellen, dass deren Qualität weiterhin unseren Standards entspricht.“ Neben der Performance auf dem Markt – also dem Umsatzvolumen und damit den eingespielten Gebühren – „berücksichtigen wir eine Vielzahl an Faktoren, darunter die Entwicklung des Ökosystems, der Ethos, die Stabilität des Netzwerks, die Qualität der Entwicklung, die Liquidität sowie ethische oder reputatorische rote Flaggen.“

Die Entscheidung, sowohl Bitcoin Cash als auch Bitcoin SV vom Markt zu nehmen, war das Ergebnis eines solchen Reviews. Da die Entscheidung aber einen einzigartigen Kontext habe, erklärt Hong Fang sie genauer.

Vor etwa einem Jahr hat OKCoin begonnen, darüber nachzudenken, welche Rolle die Börse im Ökosystem der Kryptowährungen spielen sollte. Dabei entdeckten sie die große Bedeutung von Bitcoin für den gesamten Markt und beschlossen, proaktiver Bitcoin zu unterstützen. Dies machte die Börse dann etwa durch einen Entwickler-Fonds oder dem jüngst verkündeten Plan, noch 2021 das Lightning-Netzwerk zu integrieren. Die Börse möchte „konstruktiv zum Bitcoin-Ökosystem beitragen.“

Die beiden großen Forks von Bitcoin, BCH und BSV, hat OKCoin zunächst unterstützt. Denn man glaube, schreibt Hong Fang, daran, „dass die Mitglieder der Community die Freiheit haben, ihren eigenen Weg zu gehen, je nach philosophischen und technischen Überzeugungen … wir sehen einen signifikanten Wert darin, Unterschiede zu würdigen und zu feiern, da sie Innovationen hervorrufen und die Suche nach der Wahrheit vorantreiben.“ Unabhängig von der eigenen Meinung zu bestimmten Assets sieht sich OKCoin „nicht in der Position, für unsere Kunden auf ein Pferd im Rennen zu setzen. Stattdessen soll der freie Markt, und nur der freie Markt, die Macht und Fähigkeit haben, zu bestimmen, wer gewonnen hat.“

OKCoin hat dem freien Markt also eine Plattform gegeben. Und der hat sehr deutlich entschieden: „Heute hat die Marktkapitalisierung von Bitcoin mehr als eine Billion Dollar erreicht und Top-Unternehmen wie Visa oder Facebook überholt. BCH und BSV dagegen sind mit 1,5 oder 0,5 Prozent von Bitcoin bewertet.“

Dennoch wäre OKCoin neutral geblieben – wäre da nicht Craig Wright, der Häuptling von Bitcoin SV, der seinen Anspruch, Satoshi zu sein, gerne mit juristischen Fehden vertritt. Als OKCoin nun die Neuigkeit mitbekam, dass Wright versuchte, seine Copyright-Ansprüche auf das Bitcoin-Whitepaper durchzusetzen, „brachte uns das in ein sehr unangenehmes Dilemma.“ Zwar würde man gerne die Kunden entscheiden lassen, doch man könne auch nicht unterstützen, das Wright die Open-Source-Community mit seinen Copyright-Ideen bedroht.

„Bitcoin wurde niemals durch ein Individuum oder eine Entität besessen oder kontrolliert und soll dies niemals werden. Bitcoin wurde durch den pseudonymen Satoshi Nakamoto geschaffen. Unabhängig davon, wer dies ist, steckt der Ethos von Open-Source und einem dezentralen und von der Community gestalteten Konsens tief in der DNA von Bitcoin. Wer diesen Ethos angreift, greift das Fundament von dem an, wofür Bitcoin steht.“

Und da OKCoin schon einmal in dieser Diskussion war, führte dies auch zu den Problemen des „Markenkonflikts zwischen Bitcoin und seinen Derivaten.“ Es gebe viele Assets, die als Fork von Bitcoin entstanden sind. Manche wie Litecoin haben eigene Namen und Logos, während andere, wie BCH oder BSV, „Bitcoins Marke missbrauchen, um sich selbst als ‚der wahre Bitcoin‘ zu bewerben. Diese Markenentscheidung ist, rückwirkend betrachtet, ein fragwürdiger Weg.“ Ist OKCoin also in der Pflicht, die vielen Newcomer, die seit 2020 auf den Markt strömen, vor Verwirrungen zu schützen?

Nach langem Diskutieren entschied die Börse: Ja, sie ist. Daher entfernt sie Bitcoin Cash und Bitcoin SV ab März vom Handel.

Natürlich verkleidet die Börse eine vor allem opportunistische Entscheidung durch die Beschwörung von Ethos und Ethik. Sie macht jedoch das, was sie behauptet – sie folgt dem Markt. Und nachdem Bitcoin Cash seit 2017 und Bitcoin SV seit 2018 die Chance hatte, Bitcoin (BTC) herauszufordern, hat der Markt den Forkcoins wieder und wieder eine Abfuhr gegeben. Sowohl BCH als auch BSV sind im Ranking der Coins nach Marktkapitalisierung immer weiter herunter gerutscht, BCH ist nun auf Platz 10, BSV auf Platz 20, der Preis ist, in Bitcoin (BTC) gemessen, bei beiden Coins auf einem Allzeittief. Daher muss man, selbst wenn man die Roadmaps der Forkcoins unterstützt, konstatieren, dass der Markt sich eben anders entschieden hat. Und das kann man nur hinnehmen.

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