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Erstes deutsches börsengelistetes Unternehmen nimmt Bitcoins ins Portfolio auf

Die SynBiotic SE wird zum ersten deutschen börsengelisteten Unternehmen außerhalb der Krypto-Branche, das sich durch den Ankauf von Bitcoins gegen Wertverluste durch die Inflation absichert. Wie viel das im Cannabis-Geschäft aktive Unternehmen investiert, bleibt aber unbekannt.

Die Pressemitteilung von SynBiotic ist klar, aber unmissverständlich. Daran lässt schon die Eröffnung keinen Zweifel: „Angesichts der exzessiven Geldvermehrung sowohl in der Euro- als auch USD-Zone gibt es eine berechtigte Sorge vor einer massiven Entwertung von FIAT-Geld“. Daher beginnt SynBiotic sich „gegen eine Entwertung des Euros“ abzusichern, indem die Aktiengesellschaft „einen Teil ihrer freien Liquidität in Bitcoin“ umschichtet.

SynBiotic-Boss Lars Müller kommentiert den Zug: Es gehe weniger um die Kursschwankungen von Bitcoin als um „die etwaige Gefahr der Inflation von Euro und Dollar“. Indem bei Bitcoin eine „dezentrale Organisation“ und „die manipulationssichere Natur der Blockchain“ garantiere, dass ein Limit von 21 Millione Stück „festgeschrieben und unantastbar“ sei, werde Bitcoin das „genaue Gegenmodell der herkömmlichen Währungen.“ Daher hat die SynBiotic SE „mehr Vertrauen in den Bitcoin als in Euro oder Dollar, bei denen eine zentrale Institution, beeinflusst von Politikern, die Geldmenge ins Unermessliche ausdehnen kann.“

Nicht zuletzt mache man gerade im Cannabis-Sektor positive Erfahrungen mit Bitcoin als Zahlungsmittel. Verschiedene SynBiotic-Unternehmen akzeptierten daher auch schon länger Bitcoin.

Wenn das nicht mal einen Ansage ist. Wir haben es hier schon so oft erwähnt, werden es aber immer wieder sagen müssen: Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank EZB und der US-Zentralbank FED schafft für Unternehmen eine Umgebung, in der es für diese immer riskanter wird, liquide Mittel zu halten. Abgesehen von den komplexen – und auch risikobehafteten – Entscheidungen, die dies den Unternehmen aufbürdet, untergäbt dies auch das Vertrauen in das System des Fiatgeldes. Anders als in den bisherigen Währungskrisen haben Unternehmen nun aber mit Bitcoin die Option, sich diesem System zu entziehen. Und diese wird mit jedem weiteren Unternehmen, das von ihr Gebrauch macht, salonfähiger.

Die SynBiotic dürfte sich dafür anbieten, in Deutschland eine Vorreiterrolle zu spielen. Auf der einen Seite sollte das Cannabis-Unternehmen gründlich darum wissen, dass die deutsche Politik – vor allem am Firmensitz in München – nicht zwingend rational oder wissenschaftsbasiert entscheidet, sei es in der Drogen-, sei es in der Geldpolitik. Zudem dürfte die SynBiotic stärker als viele andere Unternehmen auf einen Mix aus liquiden Mitteln und Investmentgüter angewiesen sein. Denn die ehemals Ledgertech genannte Aktiengesellschaft produziert weniger selbst, sondern baut seit April 2020 „eine diversifizierte Unternehmensgruppe auf, die sich auf den Einsatz von Cannabis-Produkten in der Medizin, der Kosmetik und in der Ernährung fokussiert.“ Erworben hat sie beispielsweise das BioCBD E-Commerce Geschäft Umtr Group Limited sowie die SOLIDMIND Nutrition GmbH.

Wenn man die Begriffe nicht so genau nimmt, könnte man sagen, die SynBiotic ist eine Art börslich handelbarer Fond für deutsche Cannabis-Unternehmen. Mit dem Kauf von Bitcoins wird sie zudem zu einem Bitcoin-Fond – man verzeihe die unscharfe Begrifflichkeit. Die Aktie erlaubt damit zugleich den Einstieg in Cannabis als auch Bitcoin – was wohl eine weltweit einzigartige Kombination in einem Wertpapier sein dürfte.

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